Ehrenamtspreis 2020

Bürgerstiftung Mosbach suchte die stillen Helden der Corona-Krise

War das am Ende spannend: Eine Woche lang konnten die Leser der Rhein-Neckar-Zeitung abstimmen, an wen die drei Ehrenamtspreise des Jahres 2020 – mit insgesamt 6.000 Euro dotiert – gehen sollen. Und sie nutzten die erstmals eröffnete Gelegenheit zur Abstimmung überaus aktiv und rege. Vor allem unmittelbar nach den jeweiligen Voting-Aufrufen glühten die Drähte am Redaktionstelefon, klapperte der imaginäre Briefkastendeckel des E-Mail-Postfachs. Mehr als 350 Leser stimmten für ihren jeweiligen Favoriten unter den fünf finalen Vorschlägen ab, bis in den späten Abend erreichten die Redaktion Mails und Anrufe für die stillen Helden.

Auf die Finalisten für den Ehrenamtspreis 2020 hatten sich zuvor wiederum die Verantwortlichen der Bürgerstiftung als Stifter der Auszeichnungen verständigt. An die 20 Projekte und Engagements waren für den Preis vorgeschlagen worden, der Fokus war ganz gezielt auf ehrenamtliche Aktionen und Hilfe in der Coronakrise gerichtet.

Hintergrund

DER EHRENAMTSPREIS 2020

113 Stimmen (1. Preis): Backen gegen die Krise – Ehepaar Kindtner, Mosbach

105 Stimmen (2. Preis): Einkaufsdienst und mehr – Pfadfinder Waldstadt

56 Stimmen (3. Preis): Freizeit auf Abstand – Team Zeltlager der Seelsorgeeinheit

Die meisten Stimmen konnte das Mosbacher Ehepaar Kindtner auf sich vereinen. Insgesamt 113 Leser gaben ihre Stimme für die Aktion "Backen gegen die Krise" ab. In der ersten Hochphase der Corona-Pandemie wollten die Kindtners allen Dankeschön sagen, die sich in anstrengenden Zeiten besonders für ihre Mitmenschen einbringen. Mehrere Wochen versorgten sie zum Beispiel die Neckar-Odenwald-Kliniken, die Sozialstationen oder Seniorenheime mit selbst gebackenen Nuss- und Mohnstriezeln. 225 Stunden ehrenamtliches Backen gegen Corona sind dabei zusammen gekommen.

Nur ein paar Stimmen weniger als die fleißigen Bäcker aus dem Masseldorn erhielten die mindestens ebenso fleißigen Pfadfinder aus der Waldstadt. Die Aktiven des Stammes Maximilian Kolbe kamen auf 105 Stimmen – gleichbedeutend mit dem zweiten Platz beim Ehrenamtspreis 2020. Schon unmittelbar nach Ausbruch der Corona-Pandemie stellten die Pfadfinder einen Einkaufsservice auf die Beine. Erkrankte, gefährdete oder besorgte Bürger konnten den Lieferdienst kostenlos in Anspruch nehmen. Aus aktuellem Anlass reaktiviert man das Serviceangebot wieder.

Den dritten Ehrenamtspreis – mit insgesamt 56 Stimmen – sicherte sich das Zeltlager-Team der Seelsorgeeinheit Aglasterhausen-Neunkirchen. Dort wollte man sich nicht von den Hürden in der Corona-Hochphase unterkriegen lassen. Mit viel Kreativität ermöglichte das Team rund 45 Jugendlichen trotz Pandemie eine Sommerfreizeit.

Große Anerkennung in Form vieler Stimmen (49 an der Zahl) wurde auch der Aktion "Masken für alle" von Ulrike Vilgis, Alexandra und Maria Winkler aus Neunkirchen zuteil. 33 Stimmen konnte der aus Mosbach stammende und nach Peru ausgewanderte Arzt Dr. Benjamin Zeier auf sich vereinen.

"Es ist schön zu sehen, wie die erstmals in dieser Form organisierte Abstimmung angenommen wurde", zeigt sich Dr. Frank Zundel, Vorsitzender der Bürgerstiftung für die Region Mosbach, nach dem Voting angetan. Der Kuratoriumsvorsitzende Marco Garcia sieht es ähnlich: "Der Ansatz, die Leser direkt einzubeziehen und mit entscheiden zu lassen, hat toll funktioniert."

Schirmherr Landrat Achim Brötel meint: "Die Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis haben nicht gejammert, sondern einfach zugepackt, um anderen zu helfen. Wir im ländlichen Raum wissen eben noch, was es heißt, in einer Verantwortungsgemeinschaft zu leben. Das macht Mut." Die Kreativität der Ideen und Aktionen habe ihn sehr beeindruckt. Ein dickes Dankeschön gehe deshalb an alle, die sich für andere eingesetzt haben. "Unsere Preisträger stehen in meinen Augen allerdings nur beispielhaft für herausragendes ehrenamtliches Engagement in der gesamten Gesellschaft. Ich danke aber auch der RNZ, die sich als Partner der Bürgerstiftung damit einmal mehr nachhaltig zu unserer Heimat bekennt", sagt Brötel.